Beitrag von we vom 28.06.2013


Wer soll Hunger / Kleiner stoppen?



Christoph Nielsen, Florian Raudaschl und Torben Dehn, Foto: Kieler Woche

Die Seriensieger der Kieler Woche haben am zweiten Tag im internationalen Teil des weltgrößten Segelevents gezeigt, warum sie Jahr für Jahr für die Goldposition gut sind. Der fünfmalige 505er-Weltmeister Wolfgang Hunger (Kiel) muss mit seinem Vorschoter Julien Kleiner (München) nach insgesamt sechs Rennen lediglich einen zweiten Platz streichen und scheint im 131. Jahr der Kieler Woche bereits zum 21. Mal triumphieren zu können.

Noch deutlicher beherrschen in diesem Jahr Helge und Christian Sach (Zarnekau) ihr Feld. Nach zwei Tagen sind sie noch ungeschlagen und führen im F18-Katamran mit sechs Siegen in sechs Rennen souverän vor den 35 Konkurrenten. Ihr siebter Sieg vor Schilksee scheint nur noch eine Frage von zwei Tagen zu sein. Und auch in der zweiten Kat-Klasse ist der Sieg für einen Wiederholungstäter möglich. Der zehnmalige Triumphator Detlef Mohr (Reinfeld) hat mit Karen Wichardt nach verhaltenem die zweite Position bei den Hobie 16 erklommen. Insgesamt gibt es in neun der 17 internationalen Klassen deutsche Führungen.

Vor der Stärke von Wolfgang Hunger/Julien Kleiner kann die 505er-Konkurrenz nur den Hut ziehen. „Hier in Kiel ist er schon eine Klasse für sich. Heute war er schnell und schlau“, sagte Meike Schomäker (Kiel), gemeinsam mit Holger Jess (Eckernförde) immerhin Europameisterin im 505er und derzeit Dritte im Gesamtklassement. Die schnellste Steuerfrau im 505er berichtete von einem interessanten Tag auf der landnahen TV-Bahn: „Das war ein Novum für uns 505er-Segler. Wir segeln sonst nie auf der Innenbahn, fahren auch im Training weiter raus. Die Begegnungen mit den Flying Dutchman auf dem engen Kurs haben es nicht einfacher gemacht.“ Auch Claas Lehmann (Hamburg) sucht vor Kiel noch nach dem richtigen Dreh, um Wolfgang Hunger unter Druck setzen zu können. Im April segelte Lehmann gemeinsam mit Leon Oehme (Kiel) auf Barbados zum WM-Titel, nun rangiert er lediglich auf Platz neun. „Das sind harte Bedingungen für uns hier, denn die Starkwind-Heizer sind wir noch nie gewesen. Und auf Barbados haben wir zudem davon profitiert, dass ich mich mit Strömungsrevieren auskenne und daher die Strömungen bei der WM besser einschätzen konnte.“

Offenbar bestens auf das Kieler Revier eingestellt sind die Brüder Sach im F18. Sechs Siege in sechs Rennen sprechen dafür, dass die Mitsegler kaum eine Siegchance haben. „Das ist nicht ganz so. Wir können hier auch mal Fünfter oder Sechster werden“, glaubt Vorschoter Christian Sach. Allerdings freuen sich die Brüder, auf der Außenförde bei besten Wind- und Lichtbedingungen segeln zu dürfen. „Zuletzt sind wir mit unserem M32 bei Bodensee-Rund durch die Nacht gesegelt, bei extremen Bedingungen. Das war phasenweise schon kritisch“, so Christian Sach. Auch für Helge Sach ist der Auftritt auf dem 18 Fuß großen Kat so etwas wie Heimkehr: „Im vergangenen Jahr waren wir nicht dabei und hatten daher Tränen in den Augen, deshalb wollten wir nun unbedingt segeln. Und es macht einfach riesigen Spaß, mit meinem Bruder in einem so traumhaft eingespielten Team zu segeln.“


 

n der Hobie 16-Klasse haben Detlef Mohr und Karen Wichardt noch die stark gestarteten Stefan Wiese-Dohse/Susanne Gehrmann (Kellenhusen) vor sich, doch mit zwei Tagessiegen und einem dritten Rang haben die Titelverteidiger zur Aufholjagd geblasen.

Keine Chance auf eine Titelverteidigung gibt es in der Kielbootklasse B/one. Das 23 Fuß lange Schiff wurde erst im vergangenen Jahr von Bavaria auf den Markt gebracht und erlebt nun seine Kieler-Woche-Premiere. Die internationale Beteiligung fällt zwar noch etwas dünn aus, aber ansonsten ist Klassenboss Peter Meyer zufrieden mit dem Auftritt der 13 Crews. „Die Absage einiger Mannschaft aus Übersee nervt uns natürlich persönlich. Aber ansonsten hält das Boot das, was wir uns davon versprochen haben. Es macht einfach einen Höllenspaß.“ Vor zwei Jahren habe man überlegt, wie man die Lücke zwischen den Jollen und den großen Kielbooten schließen könne, berichtete Daniel Kohl von der Bavaria-Werft. Und inzwischen seien gut 100 Boote verkauft worden. „Es ist schön zu sehen, dass wir mit der B/one auch ganz neue Leute zum Segeln geholt haben.“ Tobias Schadewaldt, sonst im 49er aktiv und zur Kieler Woche im B/one-Einsatz, konnte bestätigen, dass das Konzept aufgehe: „Das Boot ist einfach zu bedienen. Bei dem Wind ist es auf der Kreuz zwar etwas ruppig, aber Vormwind macht es richtig Spaß.“ Der Oldenburger liegt aktuell auf Platz zwei hinter Gordon Nickel (Stade), der in fünf Rennen viermal Platz eins belegte.

Eine außergewöhnliche Siegesserie weist die Ergebnisliste auch für Kilian König/Johannes Brack (Edersee) im Flying Dutchman aus. Nach fünfmal Platz eins mussten sie sich erst im sechsten Rennen hinter den Tagessiegern und Gesamtdritten Philipp Buhl/Adalbert Netzer (Kiel/Sonthofen) einreihen.

In der OK-Jolle hat sich derweil André Budzien (Schwerin), der Weltmeister des Vorjahres, am zweiten Tag der Wettbewerbe an dem Neuseeländer mit deutschem Wohnsitz, Greg Wilcox, vorbeigeschoben. Spitzenpositionen für die deutschen Gastgeber haben zudem noch eingenommen: Peer Kock (Hamburg) in der J/24 und Hannah Anderssohn im Laser 4.7, obwohl die junge Rostockerin sogar noch Opti segeln könnte. Die spät am Abend gestarteten Musto-Skiffs führt der Kieler Klassenboss Florian Kemper nach vier Wettfahrten an.

Die zweitbeste Nation im internationalen Teil der Kieler Woche sind die Dänen. Contender Sören Dulong Andreasen, Steffen Stegger im H-Boot und Per Buch bei den Folkeboote sorgen für Spitzenpositionen durch den nördlichen Nachbarn.

Zudem dürfen vier weitere Nationen mit Kieler-Woche-Gold liebäugeln. Frankreich hat in den Jugendklassen zwei heiße Eisen im Feuer: Sebastien Simon/Pierre Rhimbault im 420er und Lucas Rual/Emile Amoros im 29er. Ohne Makle segelt in der Europe der Norweger Lars Johan Brodtkorb, der in den fünf Klassenrennen fünfmal auf Platz eins die Ziellinie querte. Und durch Karolis Janulionis im Laser Radial sowie Denis Khashina/Dmitry Mechetin im Starboot zeigen sich auch die litauischen bzw. ukrainischen Farben an den Spitzenpositionen ihrer Klassen.

Alle Ergebnisse des ersten Tages: www.kieler-woche.de/livecenter


Quelle: Kieler Woche


     

nautics.net, 28.06.2013        Autor / Bearbeiter: we