Beitrag von we vom 22.06.2013


Kieler Woche mit Welcome Race gestartet.



Welcome Race, Foto: Kieler Woche

Mit einem Bilderbuch-Auftakt ist die Kieler Woche in ihr 131. Jahr gestartet.

Beim Welcome Race von Kiel nach Eckernförde, dem traditionell ersten Rennen bei der weltgrößten Regatta, wurden die Rekorde über die 28 Seemeilen lange Strecke pulverisiert.

Nach etwas mehr als zwei Stunden waren sowohl der X40-Katamaran von SAP als auch die „Esimit Europa 2“, die mit 100 Fuß größte Rennyacht der Kieler Woche, im Ziel. In einem Rumpf-an-Rumpf-Finale steuerten die beiden Kontrahenten auf Eckernförde zu – mit dem knapp besseren Ende für den Katamaran. Wenige hundert Meter lagen schließlich zwischen den beiden Booten. Mit der Siegerzeit von 2:06,50 Stunden ist nun das dänische Team um Skipper Jes Gram Hansen im Besitz der absoluten Bestzeit. Der bisherige Rekord der „Carbon³“ lag bei 2:39, 42 Stunden.

Die „Esimit Europa 2“, die es unter Skipper Jochen Schümann als ihre Mission ansieht, Rekorde zu brechen, darf sich über die schnellste jemals von einem Einrümpfer auf dieser Strecke gesegelten Zeit freuen. 2:08,31 Stunden stehen nun in den Geschichtsbüchern der Kieler Woche.


 

Der rund zwölf Meter lange Katamaran hat damit im Vergleich zu der 30,5 Meter langen „Esimit“ bewiesen, dass die Mehrrümpfer das deutlich höhere Geschwindigkeitspotenzial besitzen und daher auch getrennt voneinander betrachtet werden müssen. Es erinnerte ein wenig an den America’s Cup von 1988, als Dennis Conner dem Katamaran Stars and Stripes (US-1) im 28. AC die riesige Einrumpfyacht „New Zealand“ 2:0 bezwang. Der Cup ging in die Geschichte als ungleiches Duell (Mis Match) ein, da Monohulls und Katamarane ein zu unterschiedliches Geschwindigkeitspotential haben.

Unter grauem Himmel, aber mit einer prächtigen Brise aus Südwest startete die Kieler Woche am frühen Sonnabend, pünktlich um 9.30 Uhr in das Regattageschehen. Während sich die ganz schnellen Yachten noch etwas gedulden mussten, wurden zunächst die Crews in der ORC 1 unter Spinnaker auf die Bahn geschickt. Einen perfekten Start legte die „L+M Hispaniola“ von Horst Mann (Kiel) hin, die nah an der Mole dem Feld davonzueilen schien. Doch das Gennaker-Boot musste mit vielen Halsen über die Förde kreuzen, während die Spinnaker-Boote wie die „One4All“ unter Skipper Kai Mares (Kiel) auf direktem Weg viel Strecke sparen konnten.

Die frühen Starts bildeten die Ouvertüre für den ersten Höhepunkt der Kieler Woche, als die „Esimit Europa 2“ unter großer Medienbeachtung um 10.10 Uhr auf die Strecke ging. Motorboote umkreisten den blauen Renner, zwei Hubschrauber schwebten über ihm. Immerhin vier Konkurrenten hatten sich nicht gescheut, den direkten Vergleich mit des „Esimit“ zu suchen. Und die 82 Fuß lange „Calypso“ von Gerhard Clausen (Kiel) hatte den besseren Start, während die Rekordjägerin etwas spät an der Linie war. Doch schnell zeigte sich das Geschwindigkeitspotenzial, das Skipper Jochen Schümann und seine Crew aus der „Esimit“ herauskitzelten.


 

„Calypso“, die „Outsider“ von Tilmar Hansen (Kiel) und die „UCA“ von Klaus Murmann (Kiel) blieben achteraus, nur der SAP-Katamaran konnte Tuchfühlung halten. Dabei hatte die Crew von Jes Gram Hansen erst in letzter Sekunde den Kat an den Start gebracht. Ursprünglich hätte das Team bei der Extreme Sailing Series in Istanbul segeln sollen. Das Event am Bosporus fiel indes wegen der Unruhen in der türkischen Hauptstadt aus, und Gram Hansen und Co disponierten um, brachten vor Kiel das Ersatzboot zu Wasser. Obwohl sie zunächst mit einem Reff in die Kieler Woche starteten, erwiesen sie sich als einziger ernsthafter Konkurrent auf der Jagd nach der schnellsten Segelzeit.

Zunächst aber jagte die „Esimit“ davon. Vor Laboe hatte sie bereits die 20 Minuten zuvor gestarteten Boote überholt, auf der Außenförde kassierte sie auch den Rest der Flotte und entfernte sich immer weiter von dem SAP-Katamaran. In der Eckernförder Bucht aber wendete sich das Blatt. „In den letzten 30 Minuten des Rennens ist der Katamaran beständig immer näher gekommen“, berichtete Boris Herrmann, Taktiker auf der „Esimit“. Und mit dem letzten Kreuzschlag ins Ziel lagen die beiden Boote gleichauf. Meter um Meter konnte sich der Zweirümpfer nach vorn schieben und hatte schließlich einen minimalen Vorsprung von 1:41 Minuten.

Im Laufe des weiteren Nachmittags liefen dann auch die übrigen 100 Yachten in Eckernförde ein, lagen traditionell im Päkchen im Stadthafen des Ortes und feierten gemeinsam den ersten Regattatag der Seesegler der Kieler Woche.

Am Sonntag steht die Rückregatta von Eckernförde nach Kiel an, bevor feststeht, wer in den einzelnen Klassen nach berechneter Zeit die Siege auf der Mittelstrecke einsammelt. Und von Montag bis Mittwoch wird auf der Kurzstrecke um den Kiel-Cup gesegelt.


Quelle: Kieler Woche


   

nautics.net, 22.06.2013        Autor / Bearbeiter: we